Ukraine – vier Jahre russischer Kriegsterror: Gedenkveranstaltung in Hannover

Am Dienstag dem 24.02. fand die hannoversche Gedenkveranstaltung an den Kriegsbeginn bzw. den Angriff auf die Ukraine von vor vier Jahren statt. Wobei immer wieder darin erinnert werden muss, dass Russland bereits 2014 völkerrechtswidrig die Krim (ein Teil der Ukraine) annektiert hat. Und ebenso völkerrechtswidrig hat Russland seit 2014 im Donbass bewaffnete Konflikte unterstützt (erst verdeckt, dann offen), die in die Abspaltung zweier sog. Teilrepubliken mündete.

Dass der Krieg seitdem tobt und immer mehr den Charakter einer Terrorkampagne gegen die ukrainische Zivilbevölkerung angenommen hat, ist dem weitgehenden militärischen Scheitern der russischen Truppen und dem Präsidenten Putin zuzuschreiben.

Die Gedenkveranstaltung war mit einigen hundert Teilnehmer/innen (ich schätze mal so ca. 700) ganz anständig besucht. Das relativiert sich allerdings, wenn man die große Gruppe der Menschen aus der Ukraine selbst oder mit ukrainischem Hintergrund wegdenkt: In Anbetracht eines gnadenlosen Kriegsterrors mitten in Europa, ist die Anteilnamhe der Bevölkerung erschreckend überschaubar. Das kann einen schon wundern, wenn man dieses Engagement mit friedenpolitischen Bewegungen der letzten Jahre vergleicht. Aber merke: Die Betroffenheit über Krieg, Terror, Verschleppung, Folter und Mord ist anscheinend nur dann so richtig groß, wenn das Feindbild dazu stimmt.

Auf der Kundgebung in Hannover als Redner/innen: Landtagsabgeordnete, der OB, Ukrainerinnen, Wohlfahrt etc. Also erwartbar – wie die Inhalte: Betroffenheit, Dank an die Durchhaltefähigkeit der Ukrainer/innen, Verweis auf Verbrechen Russlands, Bekundung Solidarität, Dank wg. Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine, Notwendigkeit der militärischen und nichtmilitärischen Unterstützung…
Fast schon interessanter war, was leider fehlte: Z.B. ein kritischer Blick auf die Partner der Ukraine mit Blick auf zögerliche, unzureichende und unterbliebene Waffenlieferungen (Raketenabwehr, Taurus). Ebensowenig gab es eine Bewertung der eingeschränkten und immer wieder unterlaufenen Sanktionspakete und das Fehlen einer erkennbaren Strategie. Auch kritische Wort zur aktuellen Lage unterblieben weitgehend.

Ein nüchterner Blick auf die politische Lage, die Pseudoverhandlungen, die innenpolitischen Schwierigkeiten der Ukraine (Stichwort Korruption u.a.), all das hätte die Kundgebung lebensnäher, informativer, anregender gestalten können, als die bekannten Floskeln der Betroffenheit und der unverbrüchlichen Solidarität.
Auch ein genauer Blick auf die Verfasstheit der Bevölkerung Deutschlands beim Thema hätte nicht geschadet. Es geht um die AfD, das BSW, aber auch um die Reste der angeblichen Friedensbewegung und die Linken mit ihren russlandfreundlichen Reflexen, die den Niedergang des Realsoz bis heute nicht überwunden haben.

Schade, mehr Nüchternheit und wenige Floskelbekenntnisse würden den Weg zu bedeutsameren Kundgebungen ermöglichen. Vielleicht könnte man sogar ansprechen was „wir“ d.h. die Menschen vor Ort und unsere Freundinnen und Freunde noch tun können, damit die Ukraine nicht doch noch der Geldgier Trumps und der Handlungsunfähigkeit Europas (dank Orban und Fico und der Finanzlage) geopfert wird.