Klaus Süß: Blaubart

Ein ganz besonderes Grafikbuch

Da ist mir mal ein selten schönes Werk ins Haus, gekommen, ein Bildband mit sieben Holzschnitten des deutschen Linol- und Holzschneiders Klaus Süß, basierend auf der Erzählung Blaubart. Diese findet sich erstmalig in einer Märchensammlung von Charles Perraults aus 1697. Unzählige Bearbeitungen bzw. Variationen folgten, die von Friedrich dem Großen und die von Peter Rühmkorf finden sich, neben Perraults Urfassung, in dem großformatigen Prachtband wieder.

Prachtband will heißen: Großformatig, ausgesucht hochwertiges Papier, guter Druck, Grafiken vom Feinsten, Leinenband, Leinenschuber usw.

Die Blaubart-Geschichte

Die Story (wenig poetisch dank KI), die in irgendeiner Fassung wahrscheinlich schon jedem und jeder einmal untergekommen ist: „Das Märchen Blaubart handelt von einem reichen, grausamen Adligen mit einem auffällig blauen Bart. Er bringt seine Ehefrauen nacheinander um. Blaubart heiratet eine junge Frau, muss jedoch bald verreisen. Er übergibt ihr die Schlüssel zu allen Zimmern des Schlosses. Sie darf jeden Raum betreten, doch ein bestimmtes, kleines Kabinett ist ihr bei Todesstrafe verboten. Die Neugier siegt: Sie öffnet die verbotene Kammer und entdeckt darin die blutigen Leichen von Blaubarts früheren Ehefrauen. Vor Schreck lässt sie den blutigen Schlüssel fallen. Da der Schlüssel magisch ist, lässt sich der Blutfleck nicht abwaschen. Blaubart kehrt unerwartet zurück und bemerkt den Vertrauensbruch. Er will seine Frau ebenfalls töten. Sie zögert die Hinrichtung mit Bitten um eine letzte Gebetszeit heraus. Schließlich eilen ihre Brüder herbei und erschlagen Blaubart. Die junge Frau erbt sein Vermögen.“

Wie sich ahnen lässt, verlockt die schräge Geschichte mit einem Hang zu blutrünstigen Motiven zu entsprechend bildgewaltigen Illustrationen.

Die Grafiken

Aber nicht wegen der Erzählung, sondern wg. der eingebundenen Grafiken. Sechs davon und die Titelgrafik vom ostdeutschen Grafiker Klaus Süß finden sich in dem Band.
Süß ist sicher einer der bekanntesten zeitgenössischen Grafiker Deutschlands. Er hat unzählige Einzelblätter, mehrere Grafikmappen und mehrere Pressendrucke geschaffen.
Seine farbenfreudigen Werke sind unverkennbar, sowohl im Stil wie auch in den Farben.
Eine Besonderheit seiner grafischen Werke ist der Druck in der „verlorenen Foram“ oder der „verlorenen Platte“.


„Beim Drucken mit der Technik der verlorenen Form wird nur ein Druckstock benötigt: Dabei werden für die erste, die hellste Farbe, jene Bereiche weggeschnitten, die auf dem Papier unbedruckt erscheinen sollen, für die zweite Farbe werden von derselben Druckplatte jene Bereiche weggeschnitten, die in der ersten Farbe erscheinen sollen, und so weiter…bis zur letzten Farbe.“ (Grafikerin Gabi Jörger)
Die Folge ist, dass es nach den Drucken einer bestimmten, festgelegten Anzahl von Exemplaren keine weiteren Drucke mehr geben wird, weil es keine Druckplatte mehr gibt.

Einen Einblick in das Verfahren gibt der Berliner Holzschneider Roman Klonek in einem kleinen Video. (Und Tipp: Ein Blick auf Kloneks Holzschnitte lohnt sich)!

Originaldrucke werden, wie hier, üblicherweise nummeriert, die Gesamtzahl ist bekannt, entweder die einzelnen Drucke oder das gesamte Druckwerk wird vom Künstler signiert.

Klaus Süß ist 1951 in der damaligen DDR geboren, hat ursprünglich Heiztechnik gelernt und dann Luft- und Kältetechnik studiert. In den 70ern ist er in die Kultur gewechselt, allerdings als Kulturmanager in einem großen Industriebetrieb. Einen Zugang zum Kunststudium hatte er nicht, schaffte es aber dennoch zum freischaffenden Künstler, was in der DDR keineswegs ein üblicher Berufsstand war.
Im September wird Klaus Süß 75.